
Ich habe schon erwähnt, dass wir gerne Bier trinken. Auch Wein ist uns willkommen, Schnaps lehnen wir ebenfalls nicht ab, es sei denn es wäre Korn oder Wodka. Für den nötigen Schatten bei entsprechendem Sonnenstand habe ich schon Glasschatten hergestellt (siehe Projekt 19 a Glasschatten).
Um die Getränke vor unliebsamen Besuchen von Wespen, Obstfliegen oder sonstigen Mitsäufern sowie fallenden Früchten oder Vogelhinterlassenschaften zu schützen, habe ich im September 2014 auf dem Mittelaltermarkt in Hard bei Bregenz vier Holzdeckel für Gläser gekauft, die auch in die schmaleren Öffnungen von 0,25 l-Gläsern passen. Wir kannten diese Deckel schon von der Bärwurzerei Hieke in Zwiesel, die einen „Jahresdeckel“ mit Jahreszahl und einem Motiv ihrer Produkte bei Bestellung eines 5-Liter-Kanisters ihrer Produkte als Zugabe ins Paket steckte. Diese Deckel hatten den Nachteil, dass sie nur auf Halbliter-Humpen oder gar Maßkrüge passten. Für die kleineren Gläser waren die ins Glas ragenden Zapfen zu breit. Die Deckel aus Hard füllten buchstäblich diese Lücke. Aber es gibt noch kleinere Gläser …

a) Deckel für Schnapsgläser
Wer am Bodensee Urlaub macht, kommt schnell mit den dortigen Hausbrennereien Kontakt und kauft deren Produkte, sofern man dem Alkohol nicht gänzlich abhold ist. Wir sind es nicht. In Souvenirläden werden auch Schnapsgläser feilgeboten – mit Stadtansichten, Sehenswürdigkeiten oder Wappen. Als Mensch mit heraldisch geprägter Ader bevorzuge ich Wappen. Unsere Reisen haben uns eine gewisse Anzahl solcher Souvenirgläser eingetragen.
So saßen wir eines Abends in Hengnau auf dem Balkon und hatten außer Biergläsern mit den Harder Deckeln gerade gekaufte Gläschen mit Wasserburger Motiv vor uns stehen, darin der Obstbrand des Nachbarn unserer Vermieter – und zahlreiche Obstfliegen, die an diesem Festtrank teilhaben wollten. Wir haben Pappdeckel einer örtlichen Brauerei drübergelegt, aber das war keine Dauerlösung. Es musste also eine Abhilfe her.
Wieder zu Hause sichtete ich zunächst die Glas- und Krugbestände der Schnapsklasse. Wenn ich Deckel dafür herstellen wollte, mussten sie auch in das Glas oder den Krug mit dem geringsten Durchmesser passen. Das waren und sind bei uns kleine Schnapskrüge mit dem Motiv der Burg Cochem. Sie haben gerade 2,5 cm Durchmesser an der Öffnung. Der Zapfen am Deckel durfte also maximal 2,4 cm Durchmesser haben, wenn man ihn nicht wie einen Korken hineinstecken oder herausziehen will.
Korken … Da war doch was … Durch unsere Weinlieferungen hatten wir eine Menge Korken gesammelt, die in einer Plastiktüte an einem Griff einer Kellertür sind – zu Bastelzwecken. Tatsächlich passte so ein Weinkorken widerstandslos in das Krugloch. Jetzt fehlte noch ein größeres Teil, das die Öffnung aller Gläser und Krüge der Schnapsklasse überragte.
Die Bestandssichtung ergab, dass die vorhandenen 4-cm-Holzscheiben diese Voraussetzung erfüllten. Von dem Korken schnitt ich zwei etwa 5 mm starke Stücke ab und verklebte sie mit zwei Holzscheiben. Nach dem Trocknen des Leims habe ich die Oberseite der Schnapsdeckel bemalt. Einer bekam einen grünen Grund und eine goldene Lilie, der andere einen goldenen Grund und ein rotes Tatzenkreuz.
Material:
2 Holzscheiben 4 cm Ø
2 Stücke Kork 5 mm x 2,2 mm Ø
Acrylfarben für die Bemalung der Oberseite nach Geschmack
b) Branddekoration für Blanko-Holzdeckel
Die Harder Deckel sind mit einem Druckmotiv mit Bierbezug versehen. Alle weiteren Holzdeckel, die mir bis dahin begegnet waren, waren auch schon mit einer Dekoration versehen, sei es ein Druck- oder Brandstempelmotiv oder eine Holzapplikation oben drauf, die als Handhabe dienen konnte, aber eine platzsparende Unterbringung garantiert nicht zuließ. Im Juli 2024 waren wir auf dem Sommermarkt in Zwiesel. Dort bot eine Holzwarenhändlerin auch Blanko-Holzdeckel zum Selbstverzieren an – Stück 2,50 €. Vier Stück davon schrien so laut „Kauf uns!“, dass ich diesem Ruf nicht widerstehen konnte und sie mitnahm.
Zu Hause machte ich aus diesen Blanko-Deckeln „Königlich Wenglische Trank-Deckel“. Zwei erhielten eine einzelne gekrönte Lilie, dazu die Umschrift „Königlich Wenglischer“ über und „Trank-Deckel“ unter dem Emblem, zwischen den Wörtern je eine mit der Spitze zum Deckelrand weisende Lilie. Ein dritter bekam unter der Krone das gegenwärtige Staatswappen Wenglands (geviert mit Kreuz zwischen den Feldern, in jedem Feld eine Lilie), der vierte das Turmescher Baronswappen (geteilt eigentlich von Rot und Gold, hier von Dunkel und Hell mit drei Lilien in gewechselten Tinkturen).
Die Verzierung habe ich mit einem Brennkolben gemacht, der eher einem Lötkolben gleicht, eine irrsinnig gefährliche, weil lächerlich leichte Ablage hat und am Griff ganz fix so heiß wird, dass ich das Ding nur mit einem Handschuh benutzen kann, will ich nicht Brandzeichen an den Fingern haben. Positiv daran ist nur, dass er von Haus aus diverse Musterspitzen hat, von denen mich das Tatzenkreuz dazwischen überhaupt mal dazu brachte, ihn mir anzuschaffen. Es musste schon ein besonderer Anlass sein, damit zu arbeiten, weshalb ich bis dahin auch nur sechs Frühstücksbrettchen mit der gekrönten Lilie dekoriert habe.
Im März 2025 waren wir auf dem Mittelaltermarkt in Barmstedt, wo eine Dame Holzgegenstände mit Brandmalerei verkaufte. Ich sprach sie an, wie sie so große Bilder herstellen könne, wenn ein Brennkolben so scheußlich heiß wurde. Sie sah mich an, als ob ich wirklich aus dem Mittelalter käme.
„Brennkolben? Heiß? Was für einen haben Sie denn?“, fragte sie. Ich erzählte ihr von dem Motivbrenner.
„Kommen Sie mal ‘rum!“, forderte sie mich auf und zeigte mir ihr Brenngerät. „Das ist ein Pyro-Tool, auch Brennpeter genannt. Sie haben zwei Kolbenanschlüsse und können die Temperatur zwischen 250 und 750 Grad regulieren. Die Kolben sind mit einem isolierenden Griff versehen. Die werden nicht heiß – nur wenn Sie mit extrem hoher Temperatur arbeiten, kann es mal recht warm werden – so ab 600 Grad aufwärts. Wollen Sie’s mal probieren?“
Ich hatte den Deckel mit dem gevierten Wappen in der Tasche, der ohnehin einer Überarbeitung bedurfte, und habe die Verzierung mit dem Pyro-Tool nachgebrannt. Das war aber eine andere Hausnummer! Wieder zu Hause, habe ich mir so ein Teil bei Amazon bestellt. Zwar passen die vorhandenen Brennspitzen nicht darauf, weshalb ich den bisherigen Brennkolben auch noch nicht dem Altstoff zugeführt habe, aber mit den Spitzen des Pyro-Tools lässt sich sehr viel feiner arbeiten – vorzugsweise auf der Terrasse, weil es doch nach verbranntem Holz riecht. Holzdeckel, Glasschatten und Holzbrettchen werden jetzt einigermaßen regelmäßig überarbeitet, weil die Brandmalerei bei Kontakt mir Dampf oder Abwaschwasser nicht dauerhaft ist.
Material:
Blanko-Holzdeckel in gewünschter Anzahl, Oberseite 10 cm Ø, Zapfen 5,5 cm Ø

Deckel für Kölsch-Gläser
Bei Kölsch-Stangen bekommen Liebhaber des bayerischen Bieres normalerweise ein spöttisches Grinsen im Gesicht. Ein lieber Münchner Kollege nannte sie bei einer Fortbildung in Köln einmal „Reagenzgläser“. Wir gehören zwar zur Kategorie Liebhaber des bayerischen Bieres, aber ich habe durch meinen ehemaligen Arbeitgeber, dessen Zentrale in Köln war, nicht nur Bekanntschaft mit Kölsch gemacht, es ist durchaus Freundschaft geworden. An unserem Urlaubsort Treis-Karden wird – wenn überhaupt Bier ausgeschenkt wird – entweder Bitburger oder Kölsch serviert. Bitburger darf man auch gerne Bitterburger nennen. Wir jedenfalls mögen es so wenig wie unsere bitteren norddeutschen Biere. Folglich schwappt in unseren Gläsern an der Mosel Kölsch, wenn es um Bier geht.
(Oh, Wein ist auch unser Ding, insbesondere der aus Treis-Karden vom Weingut Knaup. Der Moselwein hat mich – einschließlich der Landschaft – zur Erfindung der Rebmark und der Grafschaft Löwenstein inspiriert. Das Weingut Simonstal hat seinen Ursprung in Südtirol, dessen Rotwein auch regelmäßig in Trinkgefäßen unseres Hauses landet.)
Kölsch-Stangen haben bedingt durch ihre schlanke Statur (Reagenzglas eben …) eine deutlich kleinere Öffnung. Sie hat nur 5 cm Durchmesser. Da sind selbst die Deckelzapfen der Harder Deckel zu dick. Um so eine Stange passabel abdecken zu können, musste also eine andere Lösung her.
Der erste Ansatz war, eine der schönen Knopfscheiben aus meinem Bestand dazu zu verwenden. Dummerweise haben die Knopfscheiben nicht ganz 5 cm Durchmesser. Sie würden ins Glas hineinfallen, statt es abzudecken. Passte also nicht.
Ich habe dann mit Aufsätzen aus meinem Kernbohrerbestand aus einem ausreichend großen Sperrholzstück zwei Scheiben mit 3,7 cm Durchmesser und zwei mit 7 cm Durchmesser geschnitten; die genannten Maße sind Endmaße, die sich nach dem Abschleifen der groben Sägereste ergaben. Die Kernbohrer haben allerdings einen zentralen Bohrer, der die auszuschneidende Scheibe durchsticht und dem eigentlichen Kernbohrer damit Halt gibt. Folglich haben beide Scheiben ein Loch in der Mitte, das unbedingt geschlossen werden muss, wenn man nicht gerade mit einem Trinkhalm trinken will (was bei Bier oder Wein auch nicht empfehlenswert ist). Ich habe dafür je eine der ursprünglich für die Abdeckung vorgesehenen Knopfscheiben verwendet und alle drei Schichten zusammengeklebt.
Nachdem der Leim getrocknet war, habe ich in beide Knopfscheiben das Kölner Wappen eingebrannt und einen der beiden Deckel mit vier fünfzackigen Sternen in allen Himmelsrichtungen versehen, der zweite erhielt vier achtstrahlige Sterne.
Der Clou bei diesen Deckeln ist, dass sie für deutlich mehr kleinere Glassorten tauglich sind: Weinbecher, Weingläser, Weinprobiergläser, Calvados-Schwenker und noch einige mehr. Die Knopfscheibe ist zwar gerundet, aber immer noch dünn genug, um die Deckel platzsparend zu verpacken.
Material:
Je Deckel
Sperrholz für 1 Scheibe à 3,7 cm Ø und 1 Scheibe à 7 cm Ø
Knopfscheibe als Abdeckung
Leim
Views: 0


Schreibe einen Kommentar